Frank Kortan

Welkom

FrankKortan

Bilder der Nacht – so hell

 

von Lisa Kishon

 

 

Wenn wir überrascht werden, aus dem Gewohnten heraus gelockt, in eine Bilderwelt eintreten, dann denken und fühlen wir, in unserem Leben könnte auch alles anders sein. Dass immer alles auch anders ist als wir zu wissen glauben, das haben die Nachtforscher längst erkannt. Sie beschäftigen sich mit der Finsternis, in der die Logik des Tages versinkt und die Phantasie ihre eigenen Gebilde baut. Nachts kann unsere ureigenste Wahrheit, unsere Wesentlichkeit aufblühen.  Die Eindrücke des Tages, die in die Nacht hineinstürzen, können uns überwältigen und ins Chaos stoßen. Oder sich zu Bildern formen, mit denen wir dann, bis zur Schwindligkeit bereichert, ins Licht, in unser Bewusstsein zurückkehren.

Mit J.S. Bach zum Beispiel, der auf einem indischen Elefanten reitet.

 

Ich habe Frank im Verdacht, dass er nachts malt, denn für mich sind seine Bilder, fast alle mit schwarzem Hintergrund, Bilder der Nacht. Auch jenes, das er von Ephraim Kishon gemalt hat, in dem er aus der Ewigkeit und Finsternis auftaucht und aus dem Bild heraus direkt in meine Seele schaut. Das rätselhafte Arrangement jener Welt, die Ephraims Welt war, balanciert auf einem Bleistift – war es nicht immer so? Auf einmal sind all diese Absurditäten ganz natürlich, können, müssen so sein.

 

Vielleicht malt dieser Maler aber auch tagsüber, betritt immer zur gleichen Zeit sein Atelier und verlässt es immer zur gleichen Zeit, wie einer, der Akten aufarbeitet. Und gehalten von dieser Konsequenz, von dieser Regelmäßigkeit, kann er Zwiesprache halten mit dem, worüber wir Menschen, geboren mit dem Bewusstsein für unsere Endlichkeit, endlos grübeln: wozu das Ganze? Was kommt „danach“? Vergehen wir wirklich und mehr oder weniger restlos? Vergeht das, was wir Seele nennen? Oder ist die Kunst ein Mittel, die Seele zu bannen?

 

Franks Bilder- und Seeleninszenierungen danken wir seiner außerordentlichen Begabung, jene Energien sichtbar zu machen, die nach geheimnisvollen Gesetzen mit Fragmenten aus der Wirklichkeit umspringen. Dank seiner ausgeklügelten Trompe-l’oeil Technik und seiner Meisterschaft darin, sind seiner Phantasie keine Grenzen gesetzt. Auch der Bildrahmen ist keine Grenze. Denn noch nie war die Größe einer Fläche das entscheidende Ausmaß, sondern das, was sich auf dieser Fläche abspielt, und die Tiefe, die damit erreicht wird.

 

Frank Kortan nützt die menschliche Neugier, und so gelingt es ihm, den Betrachter

in seine Bilder hineinzuziehen. Zunächst kommt so etwas wie eine Irritation auf ob des rätselhaften Arrangements von Bruchstücken aus einer Welt, die wir zu kennen glauben. Aber in dieser Zusammenstellung hat man sie noch nicht gesehen. Auch mit fotografischem Realismus hat diese Malweise nichts zu tun, obwohl Genauigkeit und Feinheit herausragende Merkmale seiner Bilder sind, und es ist schon mehrmals gesagt worden, dass dies eine Malerei ist, die mit den Alten Meistern verglichen werden kann. Die akribische Detailgenauigkeit ist nicht zu übertreffen. Und doch tun sich sofort Fragen auf. Etwa jene: Was ist es, was Frank Kortans Frauengestalten auf dem Kopf tragen? Welcher Friseur macht diese Frisuren? Oder wuchern diese Landschaften, Gestrüppe, Dickichte, in denen man auf Tierskelette und andere Fundstück stößt, wuchern die von selbst auf dem Kopf, oder aus dem Kopf? Stülpt sich da etwas nach außen, was wir sonst in unserem Kopf fühlen, das uns den Kopf zersprengen kann, weil wir dem Druck unserer gedanklichen Möglichkeiten gar nicht gewachsen sind?

 

Wie lebt er selbst, der Maler, mit all dieser Gedanklichkeit? Um sie aufs Bild zu bannen, darf er sie nicht verdrängen. Er muss sich diesen Energien, die in unserem Unbewussten herrschen, stellen. Er muss diesen Wust an geheimnisvollen Gesetzen, Fragmenten unserer Erschütterbarkeit, mit feinster Technik festhalten. Spielerisch scheint er damit umzugehen, zauberisch. Den Augenblick, in dem er es zu einer Bildkomposition erstarren lässt, werden wir nie erraten.

 

Wenn ich vor seinen Bildern stehe, will ich immer herausfinden, welche Fallstricke mich als Betrachter gefährden, auf welche Spuren ich beim Versuch der Enträtselung gelockt werde. Denn so willkürlich der Traum zu verfahren scheint, so tief lässt er in die Abgründe der im Unbewussten wirkenden Zusammenhänge blicken. So oder so ähnlich sind auch die Texte von Franz Kafka. Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass Frank Kortan immer wieder Franz Kafka malt. Er hat ihn persönlich nicht gekannt. Und es gibt kein Farbfoto von Kafka. Woher weiß er, welche Farbe seine Haut hat, seine Augen? Genau das sind diese Gesetze, die Frank erforscht. Natürlich interessiert ihn „Die Verwandlung“ ganz besonders. Es ist sein Thema. Es ist unser aller Thema: eines Tages aufwachen und bemerken, dass wir ein Käfer sind. Vielleicht hat ein Käfer ähnliche Ängste und fürchtet, eines Tages wacht er auf und ist ein Mensch. In Franks Bild ist der Schrecken beider spürbar. Die Verstörung, die Kafka beim Lesen auslöst, löst Frank beim Betrachter des Bildes aus.

 

Zitierend und mit Anspielungen operierend, geht der Maler auch im Fall der Darstellungen Salvador Dalís vor – die „brennende Giraffe“ kommt ins Bild -, aber auch bei Albrecht Dürer, bei dem nicht nur dessen Selbstporträt, sondern auch das berühmte Rhinozeros erscheint. Leonardo und seine Mona Lisa sind das Motiv eines Bildes voller Bizarrerie.

 

Viele von Franks Bildern sind Porträts, nicht Porträts in dem Sinn, dass sie sich auf das Gesicht des oder der Dargestellten beschränken würden. Die Dargestellten sind oftmals Bekannte aus der Kulturgeschichte, und immer wieder weibliche Wesen, einer Kulturgeschichte, besser einer Kultgeschichte des Weiblichen schlechthin:

das Anziehende, Attraktive wird durch erschreckende Merkmale relativiert. Denn

so viel Schönheit ist und bleibt erschreckend. Und so viel Lust und Witz eine Verführung. Trotzdem: die Hand gebe ich seinen Figuren lieber nicht

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